Teil 1: Die Corporate-Seite – Kooperationen mit Wirkung: Was neosfer und die Commerzbank von Startups erwarten

Samuel Speicher ist bei neosfer, der Innovationseinheit der Commerzbank-Gruppe, für die strategische Integration von Startups verantwortlich. In seiner Rolle als Bindeglied zwischen innovativen Technologien und der Konzernstruktur bringt er die Perspektiven von Early-Stage-Startups und der Großbank zusammen – zwei Welten, die oft unterschiedlicher nicht sein könnten.

Im Fokus des Gesprächs:

  • Ganzheitlicher Ansatz statt Tech-Showcase: Startups müssen nicht nur technologisch überzeugen, sondern klar darlegen, wie ihre Lösung strategische Ziele der Bank unterstützt – z. B. durch Effizienzsteigerung, neue Kundenzugänge oder Differenzierung am Markt.
  • Drei zentrale Bewertungskriterien für Kooperationen: Innovationskraft, Marktzugang, Wettbewerbsvorteil. Diese werden in einer Scorecard bewertet und individuell mit den Fachbereichen der Commerzbank gewichtet.
  • Frühe Einbindung und klare Erwartungssteuerung: Bereits in der Due-Diligence-Phase wird geprüft, ob ein langfristiger Fit besteht. Workshops mit Startup und Bank dienen dazu, Chancen und Limitationen realistisch abzugleichen.
  • Erfolgsfaktor Integration: Wer langfristig mit der Bank kooperieren will, muss Enterprise-Readiness mitbringen – oder bereit sein, diese gemeinsam zu entwickeln. Erfolgreiche Beispiele wie die Kooperation mit dem Kreditkarten-Startup Pliant zeigen, wie das gelingen kann.

Aktuelle Fokusbereiche: neosfer sucht derzeit gezielt nach Lösungen in den Bereichen Krypto-Verwahrung, Cybersecurity und KI-gestützte Prozessoptimierung, die für verschiedene Kundensegmente – von Privatkundschaft bis Mittelstand – relevante Mehrwerte liefern.

Teil 2: Die VC-Seite – Vom Pitch zum Portfolio: Wie PT1 in Startups mit Realwelt-Fokus investiert

Nikolas Samios ist Mitgründer des Frühphasenfonds PT1 Ventures, der in Startups investiert, die an der Transformation der „gebauten Welt“ arbeiten – Infrastruktur, Energie, Bau, Verkehr und Immobilien. Sein Ansatz: wirtschaftlich skalierbare Modelle mit gesellschaftlicher Relevanz finden und groß machen.

Im Gespräch erklärt er:

  • Selektivität mit System: PT1 sichtet ca. 250 Startups pro Monat, investiert aber nur in etwa jedes 600. – bevorzugt in Pre-Seed- und Seed-Runden.
  • Was zählt beim Erstkontakt: Pitchdecks müssen in Sekunden überzeugen. Entscheidend ist eine klare „Informationsarchitektur“, die Investoren schnell verstehen lässt, warum dieses Startup relevant ist.
  • Pitch als Vertriebstest: Der Pitch ist nicht nur Finanzierungsinstrument, sondern auch ein erster Test, ob das Team seine Lösung verkaufen kann – intern wie extern.
  • Ablauf des Investmentprozesses: Vom Screening durch Analysten, über Partner-Calls und interne Investment-Memos bis hin zum Termsheet. Dabei spielt auch die Teamdynamik im Call eine zentrale Rolle – nicht nur Fakten, sondern auch die Zusammenarbeit im Gründungsteam werden bewertet.
  • Vom Termsheet bis zum Closing: Gute Vorbereitung auf Investorenseite ist entscheidend – z. B. durch Vesting-Regelungen, strukturierte Data Rooms und realistische Bewertung. Überraschungen in der Due Diligence gelten als größter Deal-Killer.

Was PT1 sucht: Startups mit Substanz in den Bereichen kritische Infrastruktur, Energieversorgung, Projektfinanzierung – aber auch B2B-Softwarelösungen, wenn sie zur großen Transformation beitragen.

5 zentrale Learnings aus der Doppelfolge

  1. Verstehen, wie beide Seiten denken: Nur wer erkennt, was Investoren und Corporates wirklich interessiert, kann in der Tiefe überzeugen.
  2. Vom Pitch zum Proof: Aufmerksamkeit ist nur der erste Schritt. Danach zählen Substanz, Reifegrad und Integrationsfähigkeit.
  3. Partnerschaften mit Perspektive: Erfolgreiche Kooperationen basieren auf klarer Kommunikation, geteilten Zielen und dem Willen zur Anpassung.
  4. Early Signals zählen: Frühzeitige Auseinandersetzung mit Trends (z. B. ESG, KI, digitale Infrastruktur) erhöht die Chancen auf langfristige Relevanz.

Investments als strategische Hebel: Für VCs wie PT1 und Corporates wie neosfer gilt: Investiert wird nicht nur in Tech, sondern in Lösungen, die echte Transformationskraft entfalten.

Eine Doppelfolge für alle, die Venture Capital und Corporate Innovation als zwei Seiten derselben Medaille verstehen wollen – und wissen möchten, wie man als Startup dazwischen den richtigen Platz findet.

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